Folkstanz gehört zweifellos zu den angenehmsten Methoden, Leute kennen zu lernen. Eine flotte Polka zur Quetschkommode (auch "Zerrwanst" genannt) löst in ein paar Minuten Probleme, für deren Erörterung gängige Flirt-Lehrbücher mindestens drei ellenlange Kapitel brauchen.
Die Kommunikationsfördernde Wirkung des Ensembles »ZERRWANST & Co.« währt nun schon 20 Jahre. Gegründet wurde die Band mitten im dicksten Boom der Bewegung, den schönsten Zeiten der Folksherrschaft in der DDR-Underground-Szene. Seinerzeit füllten "Folkländers Bierfiedler" mühelos die Kongresshalle am Zoo, gab es staatliche Lehrgänge für die Tanzmeister beim weit verbreiteten Mitmach-Tanz.
Das Land ist inzwischen größer, die Szene allerdings überschaubarer geworden. Den Unterschied zu den traditionsbeseelten Tänzen im Westen lernte man kennen, als kurz nach der Wende eine Einladung zu einem einschlägigen Festival ins Haus flatterte. Den dirndl-gewandeten älteren Damen vor der ZERRWANST-Bühne ging dort schnell die Puste aus, sie waren ihren Walzertakt in moderateren Tempi gewohnt. Für die Leipziger war es eine einprägsame Lektion über den tieferen Sinn des (im Grunde ja eigenartig anmutenden) ersten Konsonanten im Wort "Folkstanz".
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